1. Was zeigt das Dashboard?
Das Dashboard stellt das Straftatenaufkommen in Deutschland und die jeweiligen Anzeigequoten und Anzeigeneigungen für einzelne Straftaten dar. Die in Form von Diagrammen und Tabellen dargestellten Ergebnisse beziehen sich – zum aktuellen Zeitpunkt - auf die beiden Erhebungswellen 2020 und 2024 der Studie Sicherheit und Kriminalität in Deutschland. Die an der Bevölkerungsumfrage teilnehmenden Befragten wurden gebeten, rückblickend auf folgende Zeiträume Fragen zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität zu beantworten:
- SKiD 2020: November 2019 – Oktober 2020
- SKiD 2024: Januar 2023 – Dezember 2023
Perspektivisch sollen die Abbildungen und Tabellen mit jeder weiteren Erhebungswelle von SKiD um die neuesten Daten ergänzt werden.
2. Welche Daten können ausgegeben werden?
Unter „Straftatenaufkommen“ können unterschiedliche Delikte ausgewählt werden. Zunächst erscheint eine Übersicht über die zusammengefassten Deliktkategorien.
Es wird unterschieden in:
-
Eigentums- und Vermögensdelikte
- Betrug
- Sachbeschädigung
- Cyberkriminalität
- Diebstahl
- Wohnungseinbruchdiebstahl
-
Gewalt- und Sexualdelikte
- Verbale Gewalt außerhalb des Internets
- Verbale Gewalt im Internet
- Sexuelle Belästigung
- Körperverletzung
- Nicht kategorisierte Delikte
Im unteren Bild ist die Deliktkategorie „Körperverletzung“ beispielhaft ausgewählt.
Nach Auswahl der Deliktkategorie erscheinen alle Einzeldelikte dieser Kategorie. Aus diesen Delikten kann jeweils eines ausgewählt und folgende Kennwerte betrachtet werden:
- Prävalenzrate
- Inzidenzrate
- Anzeigequote, bzw. Anzeigeneigung bei Auswahl einer Gruppierung (siehe Glossar)
3. Welche Auswertungen können pro Delikt/Straftat ausgegeben werden?
Je Delikt werden die Prävalenz- und Inzidenzraten, sowie die Anzeigequoten, bzw. bei Auswahl einer Gruppierung die Anzeigeneigungen präsentiert. Bei Angabe eines Gruppierungsmerkmals werden die Ergebnisse nicht für die Gesamtbevölkerung, sondern gruppiert nach Geschlecht, Alter oder Migrationshintergrund dargestellt. Zusätzlich kann gewählt werden, ob die Erhebungswellen einzeln (aktuell die Jahre 2020 und 2024) oder mehrere Jahre im Vergleich angezeigt werden.
4. Was stellen die Abbildungen dar und welche Informationen können generiert werden?
Die Abbildungen stellen verschiedene Ergebnisse in Form von Balken- oder Säulendiagrammen dar, die für unterschiedliche Zeiträume (Jahre 2020 und 2024) sowie verschiedene Gruppen (nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund) ausgewählt werden können. Nach dieser Auswahl werden Abbildungen generiert, die die Prävalenzrate, Inzidenzrate, Anzeigequote und ggf. Anzeigeneigung (bei Auswahl von Geschlecht, Alter oder Migrationshintergrund) darstellen. Für eine Erläuterung der Begrifflichkeiten siehe Unterseite „Glossar“.
Jede Säule bzw. jeder Balken repräsentiert einen Anteilswert, während Konfidenzintervalle die Unsicherheit dieses Ergebnisses verdeutlichen, indem sie den Bereich aufzeigen, in dem der wahre Wert zu erwarten ist.
Der Zahlenwert an einem Balken bzw. einer Säule entspricht der statistischen Schätzung für den wahren Wert in der Bevölkerung. Bei Auswahl eines Wertebalkens wird der Wert gemeinsam mit den Grenzen des Konfidenzintervalls in einem eingeblendeten Fenster angezeigt. Diese Anzeige wird durch Auswahl eines Bereichs außerhalb des Balkens wieder deaktiviert. Das in der nachfolgenden Abbildung dargestellte Menü in der Diagrammleiste bietet zusätzlich eine Tabelle mit den diagrammrelevanten Zahlen (Datenbasis) zum Herunterladen oder Anzeigen an. Den Tabellen können die genauen Grenzen der Konfidenzintervalle, ebenso wie die zu Grunde liegenden Fallzahlen pro erhobenem Delikt entnommen werden.
Die Fallzahlen werden je nach Kontext unterschiedlich ermittelt:
- Prävalenz- und Inzidenzrate: Anzahl der Personen, für die ein auswertbares Interview vorliegt. Ein Opfererlebnis muss dabei nicht angegeben worden sein.
- Anzeigequote: Anzahl der angegebenen Opfererlebnisse, für die die Angabe vorliegt, ob sie der Polizei bekannt wurden.
- Anzeigeneigung: Anzahl der Personen, die mindestens eine Opferwerdung angegeben und die Frage beantwortet haben, wie viele der Opfererlebnisse der Polizei bekannt wurden.
Bei wenigen Delikten sind die Fallzahlen sehr gering (unter 30 Personen), sodass eine Berechnung mancher Kennzahlen (vor allem der Anzeigeneigung) nicht vorgenommen werden kann. In diesem Falle wird keine Kennzahl berichtet.
5. Was ist ein Konfidenzintervall und wie interpretiert man es?
Ein Konfidenzintervall ist ein Bereich, in dem der „wahre“ Wert einer Größe mit einer vor der statistischen Testung festgelegten Wahrscheinlichkeit liegt. Es zeigt an, wie sicher eine auf einer Stichprobe basierende Schätzung ist, und wird als Bereich angegeben, der beispielsweise mit einer Sicherheit von 95 % den wahren Wert einschließt. Das Konfidenzintervall gibt also an, in welchem Bereich der wahre Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt. Hierbei gilt zu beachten:
- Ein engeres Konfidenzintervall deutet darauf hin, dass das Ergebnis genauer und verlässlicher ist.
- Ein weiteres Konfidenzintervall zeigt, dass das Ergebnis mit größerer Unsicherheit verbunden ist.
In den Abbildungen werden die Konfidenzintervalle durch die schwarzen Linien an den Spitzen der Säulen oder Balken dargestellt. Je größer die Anzahl der Fälle zur Berechnung des jeweiligen Kennwerts ist, desto kleiner werden die Konfidenzintervalle bzw. desto genauer wird die Schätzung des Punktwertes. Stehen nur sehr wenige Fälle zur Berechnung eines Wertes zur Verfügung, kann es sein, dass das Intervall einen sehr großen Bereich abdeckt und somit eine unsicherere Schätzung darstellt.
6. Warum sollten einige Delikte nicht zwischen den Erhebungswellen verglichen werden?
In einigen Abbildungen wird bei der Darstellung von Werten für mehrere Erhebungswellen auf eine eingeschränkte Vergleichbarkeit der Daten hingewiesen („Achtung: Eingeschränkte Vergleichbarkeit der Jahreswerte“). Im Diagramm ist dies durch eine gestrichelte Linie zwischen den jeweiligen Jahreswerten gekennzeichnet. Dies ist der Fall, wenn der Fragewortlaut im Fragebogen der Erhebung im Vergleich zur vorherigen Erhebungswelle nicht vernachlässigbar verändert wurde und deshalb von einer Auswirkung der Formulierung auf das Antwortverhalten der Befragten auszugehen ist. Man bezeichnet diese Abweichung als Wellenbruch. Bei der Interpretation der Werte sollte dies beachtet werden und die Werte der einzelnen Jahre nicht im Vergleich dargestellt werden. Aussagen zu Anstiegen oder Abnahmen in den Prävalenz- oder Inzidenzraten sowie den Anzeigequoten können hier nicht getroffen werden, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese auf die Umformulierung zurückzuführen sind.
Bei zusammengefassten Delikten kann ein Wellenbruch sowohl aufgrund einer inhaltlichen Veränderung der Fragestellung in den zugeordneten Einzeldelikten als auch durch eine Veränderung in deren Zuordnung entstehen (z.B. Hinzunahme eines vorher nicht betrachteten Deliktes).
7. Wie können die einzelnen Werte interpretiert werden?
Die korrekte Interpretation der einzelnen Kennwerte des Straftatenaufkommens für ein Delikt wird im Folgengen an einem Beispiel beschrieben. Dargestellt werden Abbildungen und Tabellen zum Einzeldelikt „sexuelle körperliche Belästigung“. Es werden beispielhafte Interpretationen zu Prävalenz- sowie Inzidenzraten, Anzeigequoten und Anzeigeneigungen gegeben.
7.1 Prävalenzrate
In der angefügten Grafik wird die Prävalenzrate für das Jahr 2024 für das Einzeldelikt „körperliche sexuelle Belästigung“ innerhalb der übergeordneten Deliktkategorie „Sexuelle Belästigung“ dargestellt.
Die Prävalenzrate beschreibt hierbei den prozentualen Anteil der in Deutschland lebenden Personen ab 16 Jahren, die im betrachteten Zeitraum mindestens einmal Opfer der jeweiligen Straftaten geworden sind.
Die entsprechende Tabelle zu der Abbildung zeigt die Ober- und Untergrenze des Konfidenzintervalls ebenso wie die Fallzahl für das jeweilige Delikt an.
Für die körperliche sexuelle Belästigung lassen sich die Werte für das Jahr 2024 wie folgt interpretieren:
Im Jahr 2024 waren 3 % der Bevölkerung innerhalb der letzten zwölf Monate von körperlicher sexueller Belästigung betroffen. Dabei reicht das Konfidenzintervall von 2,7 % bis 3,4 % und beschreibt, dass der wahre Wert in der Bevölkerung mit einer 95%-igen Wahrscheinlichkeit innerhalb dieses Bereichs liegt. Zur Berechnung der Prävalenzrate von körperlicher sexueller Belästigung wurden in SKiD 2024 54.392 Antworten ausgewertet.
7.2 Inzidenzrate
In der angefügten Grafik wird die Inzidenzrate für das Einzeldelikt „körperliche sexuelle Belästigung“ innerhalb der übergeordneten Deliktkategorie „Sexuelle Belästigung“ dargestellt.
Die Inzidenzrate gibt die Anzahl an Opfererlebnissen pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern innerhalb eines bestimmten Zeitraums an.
Die entsprechende Tabelle zu der Abbildung zeigt die Ober- und Untergrenze des Konfidenzintervalls ebenso wie die Fallzahl für das jeweilige Delikt an.
Für die körperliche sexuelle Belästigung lassen sich die Werte für das Jahr 2024 wie folgt interpretieren:
Im Jahr 2024 wurden pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern 87,8 Opfererlebnisse berichtet. Diese Opfererlebnisse stellen die Gesamtzahl an Viktimisierungen dar und können mehrere Erlebnisse pro Person enthalten. Der wahre Wert liegt hierbei mit einer 95 %-igen Wahrscheinlichkeit zwischen 69,1 und 111,6 Erlebnissen. Zur Berechnung der Werte in 2024 wurden 54.392 Fälle ausgewertet.
Die Zahlen für das Jahr 2020 sollten nicht für einen unmittelbaren Vergleich herangezogen werden, da hier ein Wellenbruch aufgrund einer geänderten Messmethode aufgezeigt wird.
7.3 Anzeigequote
In der angefügten Grafik wird die Anzeigequote für das Einzeldelikt „körperliche sexuelle Belästigung“ innerhalb der übergeordneten Deliktkategorie „Sexuelle Belästigung“ dargestellt.
Die Anzeigequote gibt den Anteil der zur Anzeige gebrachten Opfererlebnisse an der Gesamtanzahl der Opfererlebnisse an.
Die entsprechende Tabelle zu der Abbildung zeigt die Ober- und Untergrenze des Konfidenzintervalls ebenso wie die Fallzahl für das jeweilige Delikt an.
Für die körperliche sexuelle Belästigung lassen sich die Werte für das Jahr 2024 wie folgt interpretieren:
Von allen berichteten Opferlebnissen der körperlichen sexuellen Belästigung in 2024 wurden 2,6 % zur Anzeige gebracht und somit der Polizei bekannt. Die Untergrenze des Konfidenzintervalls liegt dabei bei 1,3 %, die Obergrenze bei 4,5 %. Zur Berechnung der Werte in 2024 wurden 4.183 berichtete Ereignisse von körperlicher sexueller Belästigung ausgewertet.
Hinweis: Da zur Berechnung der Anzeigequote weitaus weniger Fälle ausgewertet wurden als bei den Prävalenz- und Inzidenzraten, ist hier gut erkennbar, dass die Konfidenzintervalle größer ausfallen und das Ergebnis somit mit einer größeren Unsicherheit behaftet ist.
7.4 Anzeigeneigung
In der angefügten Grafik wird die Anzeigeneigung für das Einzeldelikt „körperliche sexuelle Belästigung“ innerhalb der übergeordneten Deliktkategorie „Sexuelle Belästigung“ dargestellt.
Die Anzeigeneigung gibt Auskunft darüber, wie hoch die Bereitschaft einer Person ist, ein Opfererlebnis der Polizei mitzuteilen. Im Gegensatz zur Anzeigequote, die das Gesamtaufkommen von (angezeigten) Viktimisierungen betrachtet, wird die Anzeigeneigung für jede Person individuell ermittelt. Bei Gruppierung nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund wird stets die Anzeigeneigung und nicht die Anzeigequote dargestellt, da nur sie Auskunft über die durchschnittliche Anzeigebereitschaft bestimmter Personengruppen – die bei einer Betrachtung nach Geschlecht etc. i. d. R. von zentralem Interesse ist - gibt. Entsprechende Rückschlüsse erlaubt die Anzeigequote, die eine Kennzahl auf Ebene von Ereignissen und nicht Personen ist, nicht.
Die entsprechende Tabelle zu der Abbildung zeigt die Ober- und Untergrenze des Konfidenzintervalls ebenso wie die Fallzahl für das jeweilige Delikt an.
Für die körperliche sexuelle Belästigung lassen sich die Werte für das Jahr 2024 wie folgt interpretieren:
Im Jahr 2024 liegt die durchschnittliche Anzeigeneigung unter Männern bei 15,6 %. Der wahre Wert liegt hierbei innerhalb des Konfidenzintervalls zwischen 2,2 und 29,1 %. Zur Berechnung des Kennwertes wurden 143 Fälle ausgewertet. Die durchschnittliche Anzeigeneigung unter Frauen liegt im Jahr 2024 bei 3,8 %. Der wahre Wert liegt hierbei innerhalb des Konfidenzintervalls zwischen 1,8 und 5,8 %. Zur Berechnung des Kennwertes wurden die Angaben von 1.136 Betroffenen ausgewertet.